Das privat initiierte Klavierfestival Berlin, das derzeit stattfindet, hat seine Daseinsberechtigung im Mangel: Hier ist pianistisch zu erleben, was anderswo fehlt. Das gilt auch für das zweite und dritte von fünf Konzerten in diesem Jahr. Die Französin Lise de la Salle ist eigentlich weithin bekannt, aber in Berlin solistisch doch eine erstaunliche Seltenheit, wie viele andere aufregende Pianisten. Der aus Russland stammende, aber seit Jahrzehnten in England, Deutschland und schließlich der Schweiz lebende Andrei Gavrilov hat sich hingegen selbst immer wieder jahrelang rar gemacht, auf Gottsuchen und in Schaffenskrisen, die seinem Namen unter Klavier-Aficionados zu sagenumwitterter Aufladung verholfen haben. Seinen Berliner Auftritt kann man nun kaum anders als verstörend bezeichnen, Zerschmetterung alles gepflegten Klavierspiels; während de la Salle, ohne jede Malice gesagt, wie ein hochkultivierter Tastenschmetterling klingt. 


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… lebt in Berlin, liebt Musik, schreibt Romane: u.a. ›Beethovn‹ (2020). Zuletzt erschien ›Silence‹. ✉️ KonzertgaengerBerlin@gmail.com