Tamara Stefanovichs Terminkalender für den September zeigt, dass hier eine vielseitige Künstlerin am Werk ist: Zweimal wird sie beim Musikfest Berlin Anfang September in großer Besetzung Strawinsky spielen, dann geht es für ein Duo-Recital mit Pierre-Laurent Aimard ins Muziekgebouw Amsterdam und für ein Solo-Recital nach Regensburg – mit Werken die man sonst selten hört (zum Beispiel von Skrjabin, Roslawez und Szymanowski). Außerdem spielt sie mit einem Avantgarde-Jazzquartett in Hamburg, Schwaz und Berlin.
Tamara Stefanovich wuchs im damaligen Jugoslawien (heute Serbien) auf, begann mit 13 in Belgrad ein Studium (Klavier, Psychologie, Soziologie und Pädagogik) und führte dieses wegen des Krieges in den USA am Curtis Institute fort – weil ihr Lebensunterhalt dort durch ein Stipendium gesichert war, eigentlich hatte sie in Belgrad noch Literatur studieren wollen.
Stefanovich hat die bemerkenswerte Eigenschaft, Krisen und Missstände beim Namen zu nennen und gleichzeitig von Grund auf Optimismus, Herzlichkeit und Neugier auszustrahlen. Selbst meiner instabilen Internetverbindung, die uns zu einem ganz klassischen Telefonat anstelle eines Videocalls zwingt, kann sie etwas Positives abgewinnen: Ohne Bild formuliere man meist präziser.
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