Die Erinnerung verursacht mir noch heute Gänsehaut: 28. Juli 2019, auf einer Vortragsreise quer durch Japan, habe ich das Vergnügen, in Yamaguchi, etwas südlich von Hiroshima, beim jährlichen Gedenkkonzert der örtlichen »Soft Bach Society« an Bachs Todestag mitmischen zu dürfen. Die Gruppe aus drei Dutzend enthusiastischen Laien liebt ihren Bach abgöttisch. Deshalb musiziert sie ihn das Jahr über wöchentlich in der Shin-Yamaguchi Station, dort wo der Shinkansen hält. Nur an Bachs Todestag geht es in die Stadthalle: Dreistündiges Programm, Konzerte für drei Cembali auf Keyboards, Choräle aus dem Weihnachtsoratorium auf japanisch mit Geigen, Gamben, Theorben, Mundorgel, Maulflöte. Alles kann, nichts muss, jeder darf mitmachen, Hauptsache es ist Bach – wenn’s sein muss, auch mal von den fiesen Tonarten ins »softe« C-Dur transponiert.


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… ist Musikwissenschaftler am Bach-Archiv Leipzig, Intendant des Bachfestes Leipzig und Professor an der Martin-Luther Universität Halle-Wittenberg. Seit vielen Jahren ist er auf der Suche nach unentdeckten Bach-Schätzen in mitteldeutschen Archiven und machte dabei spektakuläre Entdeckungen. Er ist Autor zahlreicher Bücher rund um Bach und der Bach-Hörbiographie Universum JSB auf Deutschlandfunk Kultur.