Am letzten Montag um kurz vor neun lief auf WDR 3 Franz Schuberts Lied Auf dem Wasser zu singen. Es war das passende Musikstück, um sich an diesem arktischen Flockdown-Morgen in NRW für dreieinhalb Minuten an einen besseren Ort zu sehnen: Ach, auf der Freude sanftschimmernden Wellen | Gleitet die Seele dahin wie der Kahn. Der Text des Liedes blieb allerdings stumm – gespielt wurde die Klavierfassung von Franz Liszt. Bis auf Weiteres werden die morgendlichen Hörer:innen des Kulturmagazins Mosaik auch auf alle anderen gesungenen Lieder von Franz Schubert verzichten müssen. Ebenso auf Chormusik, Oper, Operetten, Jazz… Die lägen ab sofort »im Giftschrank«, wie es ein WDR-Mitarbeiter ausdrückt.
Schuld daran sind jene 1011 »deutschsprachigen, klassikaffinen Personen ab 14 in Privathaushalten mit Internetanschluss in NRW«, die im Sommer 2019 an einer vom WDR in Auftrag gegebenen Online-Befragung teilgenommen hatten. [Die Ergebnisse liegen VAN vor.] Ihnen wurden dabei zwanzigsekündige Ausschnitte von Musikstücken vorgespielt, wobei jeweils drei zu einem von 13 »Musikstil«-Clustern zusammengefasst waren, von M1 »Weltliche Chormusik« bis M13 »Jazz«. (Unter den 39 ausgewählten Stücken war nur ein einziges von einer Frau – Hit that jive Jack von Diana Krall im »Genre Jazz«.)

