Über ein Jahr ist es nun her, dass am 27. Januar 2020 der erste Corona-Fall in Deutschland registriert wurde. Das Lockdown-Karussell dreht sich seitdem weiter und weiter. Schon im Frühjahr war dabei klar, wen die zahlreichen Konzert- und Aufführungsabsagen am härtesten treffen würden – die freiberuflichen Künstler:innen und Kulturschaffenden. Um sie kümmerten sich Bund und Länder zunächst nur schleppend und mit Hilfsprogrammen, die weniger Hilfe denn zunächst die Gefahr bedeuteten, wegen Falschnutzung der beantragten Gelder irgendwann bestraft zu werden (Stichwort: zu verwenden für Betriebsausgaben und sonst nichts).

Vor allem stellte sich aber heraus, dass die bundesweit uneinheitlichen Regelungen in Bezug auf Ausfallhonorare bei Orchesterdiensten grobe Ungerechtigkeiten nach sich zogen – manche Orchester zahlten den gebuchten Aushilfen 50 Prozent des veranschlagten Honorars, manche 25 oder 100, manche aber auch nicht einen Cent oder unter dem Schlagwort »Kulanz« jeder Aushilfe einen anderen, »individuellen« Satz. Die häufig angepeilten Verschiebungen der Konzerte waren nett gemeint, hätten aber wohl ebenfalls Probleme erzeugt. Schließlich wären unter normalen Umständen bei zwei Terminen auch zwei Honorare angefallen, und nicht nur eins. Fakt ist: Wie schwer es für alle Freischaffenden in dieser Situation werden würde, war schon sehr früh abzusehen. Aktuell zeigt eine Erhebung des Landesmusikrats in Berlin unter knapp 500 Teilnehmenden, dass gut 30 Prozent der Befragten entweder ernsthaft in Erwägung ziehen, ihren Beruf aufzugeben (11%), keine Perspektive mehr sehen, weil sie wirtschaftlich nicht mehr überleben können (16,3%) oder den Beruf bereits gewechselt haben (1,8%). Wie tief das Problem greift, zeigt auch ein offener Brief der GMD- und Chefdirigent:innenkonferenz e.V. vom 17. Februar: »Wir befinden uns in der schmerzvollsten Phase für die Kultur und die Künstler:innen seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs«, heißt es da. Da viele der angekündigten »Hilfen« (im Brief in Anführungsstrichen) falsch konzipiert, bis jetzt nicht angekommen oder bereits wieder entzogen seien, fordern die Verfasser:innen die Neukonzeption von Programmen, »die wirklich ankommen«, Regelungen zur Realisierung von Kurzarbeit für als Gäste beschäftigte Künstler:innen und »angemessene Ausfallhonorare«.


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… schreibt als freiberufliche Musikjournalistin unter anderem für die Zeit, den WDR und den SWR. Nach dem Musikstudium mit Hauptfach Orgel und dem Master in Musikjournalismus promoviert sie am Institut für Journalistik der TU Dortmund im Bereich der Feuilletonforschung.