Schwere Felswände und dunkle Wälder empfangen mich, als ich in Bad Schandau aus dem Zug steige. Ich habe eine siebenstündige Anreise in die Sächsische Schweiz hinter mir, mein Ziel ist Gohrisch. Dieser Kurort, rund eine Stunde östlich von Dresden, ist kein Mekka der klassischen Musik, aber seit mehr als zehn Jahren ein Geheimtipp für Fans des russischen Komponisten Dmitrij Schostakowitsch und der osteuropäischen Musik. Die Anreise gleicht einer Pilgerfahrt und einem Stresstest, je nachdem aus welcher Richtung man es betrachten will. Ich denke an Bayreuth und die umständliche Anfahrt zu Wagners grünem Hügel. Der weiße Dunst über der Elbe erinnert mich eher an Sherlock Holmes’ Baskerville als an Schostakowitsch. Um vom Bahnhof in das Städtchen zu gelangen, muss ich mit einer kleinen, knarzenden Fähre über den Fluss übersetzen. Auch auf diesem Schiffchen gilt unerwartet das 9-Euro-Ticket, wenn mir der sächsische Fährmann stattdessen zwei Goldmünzen abverlangt hätte, hätte es mich nicht gewundert.
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