Ein Gastspiel ist eine Staatsaffäre. Am Abend bevor das Ensemble der Komischen Oper mit seiner Zauberflöte das Moskauer Tschechow-Festival eröffnen darf, hat es sich in der schönen Residenz des deutschen Botschafters einzufinden: »Italienische« Krypto-Renaissance in der Ulitsa Povarskaya 46, einer für Moskauer Verhältnisse ruhigen Seitenstraße im Arbat-Viertel, das irgendwas zwischen altem Adelsquartier, Künstlerkolonie und Touristenfalle ist. Geduldig und in zivil lauschen Tamino, Pamina, Papageno den Reden des Gesandten und Ständigen Vertreters, des Kulturreferenten, der Vertreterin des Goethe-Instituts, des Festival-Generaldirektors. Und immer wieder den Reprisen der Dolmetscherin. Thema mit Variationen: »Die hervorragenden kulturellen Beziehungen zwischen Deutschland und Russland«. Die Redner müssen das Wort kulturelle nicht betonen, damit man die Betonung hört.
»It’s part of the job«, wird Tamino später sagen.

