»Impromptu« bedeutet so viel wie »aus dem Moment heraus erfunden«. Franz Schuberts Verleger Tobias Haslinger meinte, dieser Begriff könnte sich als Titel für zwei Zyklen von je vier Klavierstücken auf dem Markt erfolgreich ausgehen. Und die im 19. Jahrhundert immer noch aktuelle Mode, alles und jede:n französisch zu betiteln, hatte selbst auf den nicht sonderlich eitlen Schubert übergegriffen: Dieser überschrieb seine Kompositionen häufig mit »François Schubert«. Zwei »Staffeln« der Impromptus entstanden. Das As-Dur-Impromptu der zweiten Folge ist bis heute besonders häufig in den Musikschulen und auf den Musikschulpodien dieser Welt präsent, ist es doch technisch recht einfach gestrickt und ganz selig-warmherzig eingängig gesetzt. Weit stärker und ausholender reicht jedoch das vierte As-Dur-Stück der ersten Folge in die Zukunft – komponiert im Sommer und Herbst 1827. Es ist das vielleicht »perfekteste« und schönste Klavierstück der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Zeit für einen Interpretationsvergleich.
Das Stück in As-Dur beginnt in as-Moll. Ist das ungewöhnlich? Ja, ziemlich. Ein Moll-Stück, das in Dur endet: Das war seit vielen, vielen Jahrzehnten der »Normalfall«. Aber ein Werk in Dur, das – »ohne Not« – in Moll beginnt? Absolut nicht alltäglich, richtig. Diese »Moll-Eintrübung von Beginn an« ließe sich, wollte man Schubert als Berechnenden denunzieren, als »Taktik« beschreiben; hin zu einer immer hymnischeren Verdurung, den größtmöglichen Wärme-Sound suchend, die Erfüllung, die Liebe, das Eins-Sein mit allem (möglichen).

