Zu Berlins Klassikreichtum gehören neben Opern, Konzerthaus oder Philharmonie die zahlreichen Off-Stätten, von denen manche an den Gedanken des Salons anschließen: etwa der Piano Salon Christophori im Wedding oder Blackmore’s Musikzimmer in Wilmersdorf. Mit größtem Fug und Recht auf Salon-Tradition berufen kann sich natürlich das Stammhaus der Familie Mendelssohn in der Jägerstraße, zwischen Gendarmenmarkt und Hausvogteiplatz (einer jener »Plätze« in Mitte, die kein Mensch mehr als »Platz« erkennen kann). Vorn residieren heute die irische Botschaft und der Lobbyverband der deutschen Milchwirtschaft, den hinteren Bereich aber füllt ein emsiger Verein mit kulturellem Leben: Neben Ausstellungen und Vorträgen finden in der »Mendelssohn-Remise« regelmäßig Konzerte statt. 

Nicht nur geistiger Glanz und historischer Optimismus verbindet sich mit dem Haus Mendelssohn, sondern durchaus auch der Schatten der argen Behandlung einer der musikalischsten Frauen des 19. Jahrhunderts. So groß die künstlerische Hinterlassenschaft von Fanny Mendelssohn, verheiratete Hensel, auch ist (wenn man es nicht kennt, höre man nur ihr Streichquartett!), so bedrückend ist es, welche Steine die Familie der als Kind Vielgeförderten in den Weg legte, als es um die Möglichkeit einer professionellen Entfaltung ihrer gewaltigen Begabung ging. Der in freundlichem Ton grausame Brief des Vaters an die jugendliche Fanny, der ihren Hoffnungen auf eine Existenz als Berufsmusikerin eine Absage erteilt, schnürt einem beim Lesen die Kehle zu. Und dass der Bruder Felix die Ambitionen seiner doch innig geliebten und verstandenen Schwester nicht entschlossen unterstützte, kann und mag man kaum fassen. 


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… lebt in Berlin, liebt Musik, schreibt Romane: u.a. ›Beethovn‹ (2020). Zuletzt erschien ›Silence‹. ✉️ KonzertgaengerBerlin@gmail.com