In einer von mir dirigierten Vorstellung innerhalb einer Wiederaufnahme an einem größeren deutschen Haus brach dem exzellenten Tenor im ersten Teil mehrfach die Stimme weg. Als ich ihn in der Pause aufsuchte und fragte, ob er stimmlich oder gesundheitlich Probleme hätte, verneinte er das und sagte, er sei topfit und könne sich das nicht erklären. Man wollte eine Ansage machen, er hielt das für unnötig. Mir war schnell klar, dass es sich um eine körperliche Reaktion auf die im ersten Teil extrem stumpfe Akustik handelte. Das Theater selbst hatte schon eine sehr geringe Nachhallzeit und bei dieser Produktion war die gesamte Bühne im ersten Akt mit einem dicken schwarzen Vorhang ausgehängt. Weil dieser nach der Pause verschwinden würde und von da an glatte, reflektierende Oberflächen dominieren sollten, beruhigte ich den Sänger und sagte, er möge einfach entspannt weiter singen, es würde funktionieren. Und das tat es auch. Im zweiten Teil brach die Stimme kein einziges Mal. Ich hatte allerdings den Eindruck, dass über die akustischen Auswirkungen von Bühnenbildern an diesem Haus offenbar nicht hinreichend nachgedacht wurde.
Akustische Aspekte stehen im Verlauf von Opernproduktionen immer wieder im Kreuzfeuer zwischen musikalischer und szenischer Leitung. Das liegt irgendwo in der Natur der Sache: Verkürzt könnte man sagen, dass Klang und Licht absolut konträre Bedingungen brauchen, um sich zu entfalten. Beide Seiten müssen von Anfang an Abstriche machen. Ein erleuchteter Orchestergraben und insbesondere das Dirigentenlicht sind für jeden Lichtdesigner und Bühnenbildner ein Grauen, die Samtvorhänge hingegen sind ein Graus für jeden Sänger und Musiker. So könnte man diese Liste immer weiterführen. Wenn man dieses Spannungsverhältnis aber akzeptiert und frühzeitig beginnt zu kommunizieren und vor allem grundsätzlich die Arbeit des Gegenübers im besten Sinne des Wortes wertschätzt, kann man immer Lösungen finden, die beidem – Klang und Licht (bzw. Bild) – gerecht werden. Leider trifft man immer wieder auf Konstellationen, bei denen eben genau dieser Respekt nicht vorhanden ist.

