Im April beschuldigte Xue Wei, ein ehemaliger Geigenprofessor des Zentralen Musikkonservatoriums (CCOM) in Peking, in einem Beitrag auf der beliebten chinesischen Social-Media-Plattform Weibo Tong Weidong, den aktuellen Dekan der Abteilung für Orchesterinstrumente am selben Konservatorium, des sexuellen Missbrauchs von Studentinnen und der Korruption in Zusammenhang mit Aufnahmeprüfungen. Xue, der sich, wie er selbst erklärt, die Nutzung der Plattform Weibo angeeignet hat, um Informationen zu sammeln, die seine Anschuldigungen stützen, bot Opfern des angeblichen Missbrauchs 500.000 Yuan (etwa 64.000 Euro) für Aussagen gegen Tong. Tong bestreitet die Anschuldigungen.

Das CCOM ist eine chinesische Vorzeigeinstitution: Lang Lang und Yuja Wang waren beide an der angeschlossenen Schule, Tan Dun hat hier Komposition studiert. Die Studienplätze sind besonders hart umkämpft: zum einen wegen des »Phänomens Lang Lang«, das in vielen den Wunsch nach einer Karriere im Bereich der klassischen Musik geweckt hat, zum anderen, weil Studierende des Konservatoriums bis vor kurzem vom Gaokao, einer landesweiten Prüfung, die darüber entscheidet, ob man zum Studium zugelassen wird oder nicht,  befreit waren. (Dieses Schlupfloch wurde jetzt allerdings geschlossen.) So ist die CCOM eine der angesehensten Hochschulen des Landes.


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… 1980 geboren in Shanghai, ist freier Musikjournalist. Seine Texte sind unter anderem in Musical America, FT Chinese und Das Orchester erschienen.