Eigentlich wäre es ein guter Zeitpunkt für dieses Thema der Biennale der Berliner Philharmoniker – inmitten eines deprimierenden Wahlkampfs, in dem das Thema »Umwelt/Klima« skandalös abwesend ist, als wär’s blankes Gedöns (und als hätte die allseits aufwühlende »Migration« nicht auch viel damit zu tun). Andererseits tendieren diese kulturellen Beschäftigungen mit der »Bedrohung der Natur« öfter zum Sonntagsrednerisch-Beliebigen; denn zu »Natur« geht ja irgendwie alles. Auch am Wildwuchs von »Festivals« könnte man Zweifel anmelden, zumal das Konzerthaus Berlin ein eigenes, fast gleichzeitiges gerade abgesagt hat, unter dem Spardruck des Berliner Senats mit seinem gleichgültigen oder überforderten Kulturminister Chialo (dazu ein Interview mit dem betroffenen Künstler Kaan Bulak). Wäre es nicht von vornherein besser gewesen, Kräfte zu bündeln für ein »richtiges« statt zwei eigener Festivals?
Immerhin sind in der Philharmonie aber nicht nur die Hausherren und -damen dabei, sondern auch viele Gäste, unter anderem die beiden Berliner Rundfunkorchester oder das Freiburger Barockorchester. Der kuratorische Zuschnitt ist allerdings so prägnant nicht, dass er sich nicht vielfach mit anderen Themen koppeln ließe: Paradise lost? Von der Bedrohung der Natur heißt es vom 13. Februar bis zum 1. März in der Philharmonie. Andererseits hat so ein Thema ja auch Vorzüge: Es ist weitschweifig genug, dass es köstlich buntblättrige Programme erlaubt. Das gilt für einen abwechslungsreichen Klavierabend von Alexander Melnikov im Kammermusiksaal ebenso wie für das (erstaunlich späte) Debüt der Dirigentin Marin Alsop bei den Berliner Philharmonikern.

