Vor knapp drei Jahren wurde Maria Kalesnikava – Querflötistin, Kuratorin, Politikerin und Ikone des Widerstands gegen das Lukaschenko-Regime – in Belarus wegen der angeblichen »Verschwörung mit dem Ziel der illegalen Machtergreifung« und »Gründung und Führung einer extremistischen Vereinigung« zu einer elfjährigen Haftstrafe verurteilt. Das Verfahren gilt international als politisch motiviert. Kalesnikava hatte 2020 zusammen mit Swetlana Tichanowskaja und Veronika Zepkalo den regierenden Diktator Alexander Lukaschenko bei der Präsidentschaftswahl herausgefordert und die anschließenden Massenproteste angeführt. Als einzige von den dreien blieb sie in Belarus. Im September 2020 wurde sie in Minsk vom KGB entführt, der sie mit dem Tode bedrohte und in die Ukraine abschieben wollte. Letzteres wusste Kalesnikava zu verhindern, indem sie kurz vor dem Grenzübergang ihren Pass zerriss. Seitdem ist Kalesnikava als politische Gefangene inhaftiert, seit Januar 2022 in der Frauenstrafkolonie Nummer 4 in der Stadt Homel.
Kalesnikava lebte vor der Rückkehr nach Belarus zwölf Jahre lang in Stuttgart, absolvierte dort an der Musikhochschule jeweils einen Master in Alter und Neuer Musik, konzertierte als Flötistin mit ihrem eigenen Trio vis-à-vis und anderen Ensembles bei vielen deutschen und internationalen Festivals und kuratierte eigene Projekte.
Im Mai 2022 wurde der bereits inhaftierten Musikerin zusammen mit Swetlana Tichanowskaja und Veronika Zepkalo der Aachener Karlspreis verliehen, entgegengenommen wurde dieser von ihrer Schwester Tatsiana Khomich. Mit ihr spreche ich über die menschenunwürdigen Haftbedingungen, denen Maria Kalesnikava – mittlerweile seit mehr als einem Jahr in Isolationshaft – ausgesetzt ist, und die Perspektiven für einen Gefangenenaustausch, der auch belarussische politische Gefangene berücksichtigt.
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