»Ehrlich gesagt, hätte ich vor elf Jahren, als ich nach Freiburg kam, nicht gedacht, dass ich immer noch hier bin«, erzählt mir die Dirigentin Friederike Scheunchen im Video-Call. »Aber es gab irgendwie immer wieder gute Gründe zu bleiben. Und mittlerweile schätze ich es sehr, eine Stadt und ihre Menschen wirklich kennenzulernen.«

Ursprünglich kam Scheunchen für ein Masterstudium an die Freiburger Musikhochschule. Inzwischen ist sie auf vielfältige Weise mit der Musikszene der Stadt verbunden. Noch während ihres Studiums gründete sie gemeinsam mit Lou Kilger und Clemens K. Thomas das Ensemble Scope, was sich darauf fokussiert, musiktheatrale Performances in Verbindung mit Elektronik, Video, Tanz zu gesellschaftlich relevanten Themen zu realisieren. Seit einigen Jahren unterrichtet sie an der Hochschule; heute leitet sie dort den Masterstudiengang Interpretation Neue Musik und das Ensemble für zeitgenössische Musik. Seit 2023 ist sie außerdem Assistentin des Generalmusikdirektors André de Ridder am Theater Freiburg. Dort dirigierte Scheunchen unter anderem die europäische Erstaufführung von Ellen Reids Prism sowie die Uraufführungen von Józef Kofflers und Johannes Schöllhorns ›Alles durch M.O.W‹ und Sara Glojnarićs Kammeroper ›Neuro-Moon‹. Sie ist regelmäßig zu Gast bei den renommierten Ensembles und Festivals für neue Musik, aber immer öfter auch im klassischen Konzertbetrieb der Sinfonieorchester. 

Ich spreche mit ihr über Karrierewege jenseits von Wettbewerben und Akquisemails, über die Psychologie des Dirigierens und wie zeitgenössisches Musiktheater ein neues Publikum findet. 

VAN: In einer Konzertankündigung der Stuttgarter Philharmoniker steht: ›Friederike Scheunchen ist eine deutsche Dirigentin, spezialisiert auf Neue Musik und Musiktheater.‹ Trifft es das?

Friederike Scheunchen: Ja, das kann man so sagen. 


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