Im Europa der 1660er Jahre hatten sich zwei dominante Arten der noch neuen Kunstgattung Oper etabliert: Die kommerzielle Oper in Venedig, später auch in Hamburg oder London, machte die Oper einem zahlenden Stadtpublikum zugänglich. Finanziert durch Ticketeinnahmen und großbürgerliche Investoren, stemmten private Operngruppen saisonal neue Produktionen. Was nicht gut ankam, verschwand von den Bühnen und aus den Gedächtnissen. Budgetkalkulationen prägten Ästhetik und die verschlankte Form genauso wie eine Rückbesinnung auf antike Aufführungstraditionen. Demgegenüber stand die barocke Hofoper: Schier grenzenlos in ihrem Ausmaß, hatte diese neben ihrer unterhaltenden Funktion auch immer eine explizit politische. Die Hofoper sollte aristokratische Macht repräsentieren und legitimieren und zugleich ins Staunen versetzen. Die hochmodernen Technologien der barocken Opernbühne waren Symbol imperialer Kontrolle über Natur und Welt. Kaum eine andere Kunstform verband so unmittelbar das Sinnliche mit dem Politischen.
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