Der Weg zur Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz führt vom Ludwigshafener Hauptbahnhof durch ein Labyrinth monströser Hochstraßen und klaustrophobischer Unterführungen. Wer hier, in der Bahnhofstrasse, arbeitet, fühlt sich vermutlich weniger im Elfenbeinturm als im Proseminar ›Sadistische Stadtplanung‹. Weiter unten, am Rheinende, bestrafen ›Rhein-Galerie‹ und Budget-Hotel all jene, die sich einen befreienden Flussblick erhoffen. Wäre ja auch zu schön gewesen. ​​Und weil die Shopping Mall dem umliegenden Einzelhandel das letzte bisschen Leben ausgesaugt hat, blieben nur Dönerbuden, Shisha-Bars, Wettbüros und blinde Schaufenster zurück.

»Mein Ziel ist es, dem gerecht zu werden, was ich hier vorfinde. Also möglichst genau auf den Ort zu arbeiten«, erzählt mir Staatsphilharmonie-Intendant Beat Fehlmann in den Büroräumen des Orchesters. 2018 kam der Schweizer von der Südwestdeutschen Philharmonie in Konstanz nach Ludwigshafen. Seitdem hat er das Orchester zu einem der innovativsten Deutschlands gemacht – von Presse, Preisen und Publikum gleichermaßen gelobt. Die Außendarstellung wirkt bisweilen etwas bemüht jugendlich (›Klassik Ultras‹), die kommunikative Besetzung von Trendthemen klingt manchmal ein wenig nach Antragslyrik. Geschmackssache. Unstrittig ist, dass die Frage ›Für wen machen wir das hier eigentlich?‹ in Ludwigshafen mit größerer Dringlichkeit bearbeitet wird, als anderswo. Mit seinem Bestreben, die Relevanz des eigenen Tuns konsequent zu erweitern und mit Kennzahlen zu hinterlegen, hat Fehlmann so manch Intendantenkollegen vor sich hergetrieben und sich nicht nur Freunde gemacht. 

Beat Fehlmann • Foto © Francesco Futterer

VAN: Sie haben hier in Ludwigshafen viele Veränderungsprojekte angestoßen. Worin bestand denn der Problemdruck, aus dem heraus Sie gesagt haben: Wir brauchen Veränderungen?

Beat Fehlmann: Ausgangspunkt war die Frage, was die gesellschaftliche Entwicklung in Bezug auf Musik im Allgemeinen und auf Institutionen wie die Staatsphilharmonie im Besonderen bedeutet. Es gibt im Moment keinen unmittelbaren Druck, in dem Sinne, dass der Träger etwas einfordert oder dass Schließungsdebatten geführt werden. Aber was passiert in den nächsten 10, 20 Jahren? Wie verändert sich die Gesellschaft und was heißt das für uns? 


Jetzt abonnieren, um weiterzulesen.

Unbegrenzter Zugang zu allen aktuellen Artikeln und dem Archiv

VAN als unabhängiges Magazin wird maßgeblich über Abos getragen. Mit Ihrem Abo ermöglichen Sie unsere Arbeit und sichern die Zukunft von VAN.


Sie haben schon ein Abo?

... ist Gründer und Herausgeber von VAN. ✉️ hartmut@van-verlag.com