Wer die Motive der Romantiker sucht, muss über den Schlangenweg oberhalb der Alten Neckarbrücke den Heiligenberg besteigen, vorbei an Weinterrassen und Obstwiesen und am Rand des Odenwalds in den berühmten Philosophenweg abbiegen. Etwas außer Atem drosselt man sein Schritttempo und begreift plötzlich, warum sich Goethe, Hölderlin, Eichendorff, Heine und so viele andere Dichter und Denker hier mit Vorliebe ihre Beine vertraten. Übertrumpft doch nach jeder Biegung ein neues Panorama die Schönheit des vorigen. Zwischen den filigranen Ästen einer japanischen Wollmistel (so steht es auf einem kleinen weißen Schild am Stamm) reflektiert der Neckar die blutrot sinkende Wintersonne. Ein Schauspiel mit dramatischen Lichtwechseln, das sich am besten auf einer der steinernen Bänke beobachten lässt. Die Renaissance-Ruine des alten Schlosses am Hang gegenüber bildet dazu ein wenig drohend die majestätische Kulisse. Dort – so ist es urkundlich belegt – wurde bereits um 1613 die erste feste Theaterspielstätte Heidelbergs gegründet. Für seine Shakespeare-verrückte Gattin Elisabeth Stuart ließ Friedrich V. ein Theater in die Mauern des dicken Turmes bauen. Kurz nach Shakespeares Tod soll hier sogar dessen Company gastiert haben.
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