Ausgerechnet Barry Kosky hat es kürzlich wieder getan. In einem Interview mit der Berliner Zeitung warnte er, Berlin würde bald zum »neuen Bielefeld« mutieren. Wegen der hohen Mieten laufe die Hauptstadt Gefahr, ein Ort imposanter Bauten zu werden, allerdings einer, dem Kreative den Rücken kehrten, eine Kulturhohlnuss. Bielefeld als Metapher der provinziellen Langeweile ist mittlerweile ein ziemlich abgegriffener Ableger der Bielefeld-Verschwörung. Ein gelangweilter Informatiker setzte sie einst in die Welt, nachdem Großbauarbeiten im Herbst 1993 die Autobahnverbindungen zur Stadt lahm gelegt hatten.

Seitdem hält sich der flache Witz, Bielefeld würde ja eigentlich gar nicht existieren. Blaupause für viele weitere Verschwörungstheorien, die seit Jahrzehnten das Netz fluten und Bielefeld als Prototyp der kulturellen Einöde, als Ort ohne Kontur und großstädtischen Glanz etablierten. Dabei klingt der Vergleich aus Barry Koskys Mund auch noch unfreiwillig selbstironisch: Haben die Bielefelder doch mit Berlin Alexanderplatz zur Spielzeiteröffnung eine musikalische Pionierleistung hingelegt, auf die man in der Hauptstadt neidisch sein müsste. Zum ersten Mal wurde Alfred Döblins expressionistisches Meisterwerk als Oper vertont und vor ausverkauftem Haus zur Uraufführung gebracht.


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