Es gibt viele Sprichwörter, die ausdrücken, dass diejenigen, die schon viel haben, immer noch reicher beschenkt werden, während sich diejenigen, die wenig haben, um die heruntergefallenen Krumen streiten dürfen. »Der Teufel scheißt immer auf den größten Haufen«, etwa, »Wo Tauben sind, fliegen Tauben zu« oder »Es regnet immer dorthin, wo es schon nass ist«. Kulturstaatsminister Wolfram Weimer ist bekanntlich ein Verfechter der Schönheit der deutschen Sprache, und so mögen ihm diese Proverben bei der Verhandlung des neuen Hauptstadtfinanzierungsvertrags, der gestern vorgestellt wurde, als Inspiration gedient haben. In jedem Fall profitieren die zwei bestausgestatteten Klassikinstitutionen Berlins von gestiegenen Bundesmitteln in den nächsten zehn Jahren, während alle anderen de facto weniger erhalten – sei es durch Nullwachstum oder tatsächliche Kürzungen.

Für die Berliner Philharmoniker erhöht der Bund seine Förderung »stufenweise« um bis zu vier Millionen Euro auf dann 11,5 Millionen Euro pro Jahr. Wofür das zusätzliche Geld ausgegeben werden soll, bleibt im Vertragstext unerwähnt (vielleicht für zukünftige kulturelle Missionen nach Afrika) – eine Carte blanche also. Außerdem beteiligt sich der Bund mit »maximal 225 Millionen Euro« an der Generalsanierung der Philharmonie, die ab 2032 ansteht. Das sind zwar genau 225 Millionen mehr als im Februar zugesagt, aber – mit Blick auf die prekäre Haushaltslage in Berlin – immer noch etwa 1 Milliarde zu wenig. Wenn man bedenkt, dass sich der Bund im Rahmen des letzten Hauptstadtfinanzierungsvertrags mit 200 Millionen Euro – also fast 50 Prozent der Gesamtkosten – an der Sanierung der Staatsoper beteiligte, kann man den Zuschuss für die Philharmonie durchaus auch als Affront gegenüber dem Land Berlin interpretieren – und weniger als Wahlkampfhilfe für CDU-Spitzenkandidat Stefan Evers.


Jetzt abonnieren, um weiterzulesen.

Unbegrenzter Zugang zu allen aktuellen Artikeln und dem Archiv

VAN als unabhängiges Magazin wird maßgeblich über Abos getragen. Mit Ihrem Abo ermöglichen Sie unsere Arbeit und sichern die Zukunft von VAN.


Sie haben schon ein Abo?

... ist Gründer und Herausgeber von VAN. ✉️ hartmut@van-verlag.com