Ein typisches Deutsche-Grammophon-Stück: Überall bekannt, banal, »eingängig«. In dieser schnuckeligen Klebealbum-Abziehbildchen-Tonart ohne Vorzeichen: a-Moll. »Niccolò Panini.« Die Profis vermeiden dieses Werk – und die »Liebhaberinnen und Liebhaber klassischer Musik« wünschen es sich, wenn es heißt: »Wunschkonzert«. Das Evaluation gewordene Klavierstück. Der Tod, Krankheit und (noch schlimmer) Unmut bringende Vorbote der Neoklassik, das Musikpendant zum Paulo-Coelho-Romänchen im glutennudelnden Hängemattenrhythmus eines durchgeheulten Spätsommers Anno 2002.
Ja, Beethovens Für Elise nervt wirklich. Und das 1868 komponierte Konzert für Klavier und Orchester a-Moll op. 16 auch. Manchmal. Unsere Eltern, Lehrerinnen und Lehrer hielten diesen Grieg in a-Moll für »kindgerecht«. Und tatsächlich ist Griegs Opus 16 ein Stück weit ein – kurzweiliges, wechselvolles, gesangliches, hyggelig-knuddeliges – Lyrisches Stück. Nur, dass es meistens ziemlich genau eine halbe Stunde dauert, aber dafür – ganz lyrischestückerückführungsmäßig eben – Märchenwelten, Trolle, Schaukelstuhlmelancholien, Naturerscheinungen, Kinderspielchen und hemmungslosen Geschlechtsverkehr (wie angesichts des Lyrischen Stücks Erotik) zum Thema hat.

