Es muss irgendwann Mitte der 1980er Jahre gewesen sein, als ich Ferenc Rados zum ersten Mal begegnet bin. Sein ehemaliger Student András Schiff hatte ihn zur Teilnahme an der Open Chamber Music Session beim Internationalen Musikseminar in Prussia Cove (Cornwall) eingeladen. Damals wurde das Festival noch von dem inzwischen verstorbenen großen Geiger und Dirigenten Sándor Végh geleitet (das IMS Prussia Cove war schon immer eine ungarische Talentschmiede). Ich war fasziniert von Rados, kein Zweifel; zu meiner Schande muss ich aber gestehen, dass mir während der Woche, die wir zusammen verbrachten (wir arbeiteten an Schuberts Es-Dur-Trio), nicht bewusst geworden war, dass er auf seine ganz eigene Art ein ebenso fantastischer Musiker wie Sándor Végh war. Dies realisierte ich erst etliche Jahre später, als Rados und ich beide in Prussia Cove unterrichteten. Ich hörte ihm gelegentlich beim Unterrichten zu und war wie gebannt. Was für ein Intellekt! Was für eine tiefgreifende, nie nachlassende Musikalität! Und was für ein seltsamer Mensch…
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