Von »Wiedergutmachung« kann sowieso keine Rede sein. Das Wort wird automatisch zum Euphemismus, wenn man es anwendet auf die im »Tausendjährigen Reich« angerichteten Verheerungen. Zu viele Dichter, Musiker, Maler, Film- und Theaterleute wurden in der nur zwölf Jahre andauernden nationalsozialistisch kontrollierten Regierungszeit mundtot gemacht. Ins Exil oder in den Tod getrieben, die Karrieren gekappt und gebrochen, die Stücke unterdrückt und verboten. Ungezählt die Kunstwerke, die gar nicht mehr entstanden sind. Ganze Genres verschwanden von der Bildfläche. Und, auch das gehört zu der Zeitenwende, die das vorige Jahrhundert in zwei Hälften teilte: Das Denken wurde vergiftet. Nachhaltig.
Auch das Wort »Wiederentdeckung« wirkt im Opernbetrieb immer noch irgendwie fehl am Platz. Wie oft sollte denn ein Werk der darstellenden Künste, das nur leben kann, wenn es aufgeführt wird, wiederentdeckt werden? Was muss passieren, damit es ins Repertoire aufgenommen wird und überlebt? Exemplarisch der Fall der einzigen Oper von Erwin Schulhoff, die 1932 in Brünn zur Uraufführung kam. Flammen wurde damals freundlich begrüßt nur von der Fachpresse und den Kollegen. Dem Publikum schien das avantgardistische Stück mit seinen Jazzeinlagen, der nihilistischen Botschaft und der dem Film abgeschauten Montagetechnik nicht zumutbar. Selbst der Musikverlag des Komponisten, die Universal Edition, zierte sich und winkte ab. Schulhoff war damals 28 Jahre alt.

