Ob mit Julius Eastmans Prelude to the Holy Presence of Joan d’Arc, Beethovens Missa Solemnis oder Anthony Davis’ X: The Life and Times of Malcolm X – Davóne Tines beim Singen zuzuhören, ist, als würde man dem Extremkletterer Alex Honnold beim ungesicherten Besteigen von El Capitan zusehen: Man ist beeindruckt von der rohen Kraft und Spannung von Tines’ kräftigem Bariton, der Ernst und Schwere der Werke unterstreicht. Vor Kurzem ließ der Sänger Eastmans sich rosenkranzartig wiederholendes Prelude eindrucksvoll von den Wänden der achteckigen Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche in Berlin widerhallen.

Abseits der Bühne ist Tines eher wortkarg. Nach jeder Frage hält er einen Moment inne, bevor er eher philosophische Antworten gibt, häufig ergänzt durch Perspektiven aus der Soziologie (einem Fach, das Tines in Harvard studierte, vor seinem Master an der Juilliard School). Ich treffe ihn in der Nähe der Kaiser-Wilhelm-Kirche, wo er mit der Berliner Singakademie ein Programm probt, das mehrere Eastman-Werke mit drei Sätzen aus Beethovens Missa Solemnis verknüpft. Beim Mittagessen erzählt Tines, dass er von den vergangenen 365 Tagen 300 auf Konzertreisen verbracht hat. 


VAN: 300 Tage, wirklich?

Davóne Tines: Ja, ich glaube, in der letzten Woche war ich in fünf verschiedenen Hotels. Ich arbeite mit an einer Ausstellung für das Cooper Hewitt, Smithsonian Design Museum; sie ist Teil der Home-Triennale. Ich hätte eigentlich schon einen Essay dazu fertig geschrieben haben sollen, aber heute hatte ich eine neue Idee für den Text: Ich beschreibe, wie mein Leben in Hotels so war in der letzten Woche, und wie wichtig bei all dem das Konzept von ›Zuhause‹ ist.


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… berichtet über Musik und Kunst für Paper, die Washington Post, NPR, Gramophone und andere. Sie war Teil der Redaktion bei Time Out New York und WQXR/Q2 Music. Auf der Bühne der Brooklyn Academy of Music konnte man ihre Texte auch schon hören – beim Next Wave Festival. Seit 2020 ist sie festes Mitglied der VAN Redaktion. olivia@van-verlag.com