»Das Kausalprinzip sagt aus, dass die Verbindung von Ursache und Wirkung eine notwendige sei. Das Synchronizitätsprinzip sagt aus, dass Dinge durch Gleichzeitigkeit und durch den Sinn verbunden sind«, schreibt C.G. Jung in seinem Buch Synchronizität, Akausalität und Okkultismus. Letzte Woche wurden fast zeitgleich Vorwürfe des Machtmissbrauchs gegen den Intendanten der Berliner Volksbühne, Klaus Dörr, und den Chefredakteur der »Bild«-Zeitung, Julian Reichelt, öffentlich. Dörr und Reichelt sind mittlerweile freigestellt, letzterer vorübergehend und auf eigenen Wunsch. In Dörrs Fall geht es vor allem um sexualisierte Übergriffigkeiten, es soll unter anderem zu »enger, intimer, körperlicher Nähe und Berührungen, unverhohlenem Anstarren auf die Brust, Upskirting, unangemessenen SMS und Diskriminierungen aufgrund des Alters der Betroffenen« durch den Intendanten gekommen sein. Reichelt wird eine Vermischung von Amt und Beziehungen, das Ausnutzen von Abhängigkeiten und Mobbing vorgeworfen.
Auch wenn die Gleichzeitigkeit der Ereignisse weniger Werk des »Synchronizitätsprinzips« als des Zufalls gewesen sein mag, können sie trotzdem sinnhaft verbunden werden. Vielleicht brauchte es erst diesen Holzhammer des Zufalls, um den finalen Sargnagel in die Rhetorik von der »Kunstproduktion, die besonderen Gesetzen folgt« zu hauen, mit der sich Theaterintendanten gerne umgeben: Nein, im Intendantenzimmer der Volksbühne geht es scheinbar nicht besser zu als in der Chefredaktion der »Bild«-Zeitung. Eher noch schlimmer.

