Es begann mit einem Bruch: Die thematische Umorientierung meiner Dissertation über Vertonungen von Gedichten Friedrich Rückerts in Richtung dessen, was man heute Genderforschung nennt, interpretierte mein Bonner Betreuer als Zeichen für verderbliche Berliner Einflüsse. Nach endlosen Diskussionen und daraus resultierenden Schreibblockaden ließ sich ein Bruch nicht länger vermeiden. Gar nicht so einfach, denn ein Betreuungsverhältnis ist auch ein Abhängigkeitsverhältnis. Wie sollte es nun weitergehen? Ich ließ die Arbeit liegen und verdiente meinen Lebensunterhalt in einer Hochschulverwaltung. Jedoch meine Unzufriedenheit wuchs von Tag zu Tag. Dank eines nachgezahlten Doktorandenstipendiums des Cusanuswerks öffnete sich für ein halbes Jahr noch einmal eine Tür. Alle Trümmerstücke einer unfertigen Dissertation kamen auf den Tisch. Zum Katalysator wurde dabei ein Buch: Eva Riegers 1981 erschienene Studie Frau, Musik und Männerherrschaft. Zum Ausschluß der Frau aus der deutschen Musikpädagogik, Musikwissenschaft und Musikausübung.1 Ich erinnere mich genau, wie das Buch aussah, ein Taschenbuch, schwarzer Kartoneinband, leuchtend grüner Titel. Die Reihe: Ullstein-Materialien.


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