Ein erster verhuschter Herbsttag in Berlin-Niederschönhausen, die Kastanien spielen auf dem nassen Kopfsteinpflaster Ping-Pong, Hundebesitzer machen die kleinstmögliche Runde. Am Iderfenngraben 47 bin ich mit der Kontrabassistin Barbara Sanderling verabredet. Ich bin ein bisschen früh dran, und sie hält mich dort am Gartentor zunächst für einen Paketboten. Später während unseres Gesprächs werden alle paar Minuten Nachbarn klingeln, um bei ihr abgegebene Pakete abzuholen. Wir setzen uns ins Wohnzimmer. Hinter ihr an der Wand lehnen zwei Kontrabässe, rechts füllen kleine Miniaturskulpturen von Kontrabassisten die Glasregale. Barbara Sanderling war die erste professionelle Kontrabassistin Deutschlands, 25 Jahre spielte sie im Berliner-Sinfonie Orchester, die längste Zeit als Solo-Bassistin, ab 1986 unterrichtete sie Kontrabass an der Hochschule für Musik Hanns Eisler Berlin.

Barbara Sanderling • Foto Hartmut Welscher
Barbara Sanderling • Foto Hartmut Welscher

Sie wurden 1938 in Leipzig geboren. Kamen Sie aus einem musikalischen Elternhaus?

Kann man so nicht sagen. Meine Mutter hat ein bisschen Klavier gespielt. Mein Vater war seit 1945 nicht mehr in unserem Haushalt bis zu seinem Tod. Er war in Buchenwald inhaftiert (das Konzentrationslager Buchenwald wurde nach dem Zweiten Weltkrieg bis 1950 von der Sowjetischen Besatzungsmacht als »Speziallager Nr. 2« für politische Gefangene weiter genutzt, d. Red.). Er hinterließ aber eine Gitarre, auf der ich anfing, Lieder zu spielen.


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