In keinem anderen Bundesland spielt Kultur auf Gesetzesebene eine so große Rolle wie in Sachsen: In seiner Verfassung verpflichtet sich der Freistaat, die Kultur zu fördern. Außerdem wertet Sachsen als einziges Bundesland Kultur als Pflichtaufgabe der Kommunen, so steht es im Sächsischen Kulturraumgesetz. Verabschiedet wurde es 1994, um Sachsens dichte kulturelle Infrastruktur auch nach dem Auslaufen der einigungsbedingten Sonderfinanzierung des Bundes für die ostdeutsche Kultur langfristig zu sichern. Mehr als ein Drittel aller Kultureinrichtungen der DDR befand sich 1990 auf sächsischem Territorium, dazu gehörten 25 sogenannte Kulturorchester, 16 Theater und 248 Museen. Das Kulturraumgesetz stellte sicher, dass der Freistaat auch die »ländlichen Kulturräume« mit Kulturförderung versorgte und an Orten wie Annaberg, Döbeln, Zittau, Riesa oder Bad Lausick professionelle Theater und Orchester erhalten blieben.
Wie geht es der sächsischen Kulturlandschaft 30 Jahre später? Stellt man diese Frage in Sachsen, hört man häufig: »Sprich doch mal mit Albrecht Koch in Freiberg.« Der gebürtige Dresdner Koch ist seit 2008 Domkantor und Domorganist in Freiberg/Sachsen, wo ihm mit der Silbermann-Orgel von 1714 eine der berühmtesten und am besten erhaltenen Orgeln der Barockzeit anvertraut ist.
Am Freiberger Dom leitet er zahlreiche Chöre wie den Domchor, die Domkurrende oder die von ihm ins Leben gerufenen Domkinderchöre und die Jugendkantorei. Seit 2010 steht Koch der Gottfried-Silbermann-Gesellschaft vor und hat zugleich die Künstlerische Leitung der Silbermann-Tage und des Internationalen Gottfried-Silbermann Orgelwettbewerbs inne. Außerdem vertritt er die Stadt Freiberg in der Vereinigung European Cities of Historical Organs (ECHO). Seit 2022 ist Albrecht Koch Präsident des Sächsischen Kultursenats, dem kulturellen Beratungsgremium der sächsischen Landesregierung. Der Freistaat Sachsen verlieh ihm für seine künstlerischen und gesellschaftlichen Verdienste im Jahr 2022 die Sächsische Verfassungsmedaille.
»Wollte mich nur rückversichern, dass es bei morgen bleibt«, schreibt Koch zwei Wochen vor dem vereinbarten Interviewtermin. Und dann: »Sorry, es ist schon schlimm mit mir. Irgendwie zu viele Terminsuchen parallel gerade.«
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