Der Morgen des 30. Juni 1908. Sommer im sibirischen Gouvernement Jenisseisk. Am Himmel erkennen manche Bewohner:innen – darunter Angehörige der indigenen Ewenken – Explosionen. Alles nahe der bewaldeten Region entlang des Flusses Steinige Tunguska. Die Druckwelle des offensichtlich in die Erdatmosphäre eingedrungenen Objekts zerstört nicht nur etwa 60 Millionen Bäume, sondern bläst Fenster und Türen der wenigen Häuser in der gottlob äußerst spärlich besiedelten Region einfach weg. Noch über 500 Kilometer weiter weg werden Sichtungen eines hellen Feuerscheins gemeldet – und die Druckwelle ist sogar weltweit messbar. Knapp fünf Stunden nach dem Ereignis reagieren die Seismographen des Königlich-Preußischen Geodätischen Instituts im fernen Potsdam. Die Druckwelle macht eine zweite Runde um die Erdkugel, so dass einige Stunden später wieder Messerergebnisse vorliegen. Angeblich werden keine Menschen bei dieser eminenten Naturkatastrophe getötet. Nur ein paar Rentiere sterben. Bis heute liegen keine endgültig verifizierten Erklärungsmodelle für das »Tunguska-Ereignis« vor. Infrage kommen Asteroiden- oder Kometen-Einschläge sowie vulkanische Eruptionen. Eines der größten – wohl nicht menschengemachten – explosiven Ereignisse des 20. Jahrhunderts überhaupt: in der Ursache ungeklärt.


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... ist Konzertveranstalter, Moderator, Komponist und Pianist. Er gestaltet innovative Konzertformate, arbeitet als Musik-Satiriker, schreibt Stücke für Solist:innen und Ensembles und Texte für VAN, die Wiener Philharmoniker, die New York Philharmonics und die Bamberger Symphoniker. 2019 war er als Schauspieler an der Volksbühne zu erleben.