Der Komponist Johannes Kreidler behauptete in einem 2020 veröffentlichten Aufsatz nicht ganz zu Unrecht, »dass die ungleich höhere Rationalität des Kompositionsmetiers einen exzessiven Lebenswandel bis hin zum Selbstmord nachgerade verunmöglicht«. Will heißen: Die »ordnende«, Partituren verfertigende Tätigkeit des Komponierens, die Strukturieren, Planen, Zusammensetzen mit sich bringt, führe auch dazu, dass innerhalb der Künste die Zahl der komponierenden Protagonistinnen und Protagonisten, die sich »das Leben nehmen« (Thomas Macho plädierte in seinem 2017 erschienenen klugen Buch mit entsprechendem Titel für diese Formulierung), wohl bedeutend geringer ist als beispielsweise bei Vertreterinnen und Vertretern aus dem Bereich der Malerei oder der Literatur. Natürlich sind tragische Ausnahmen zu konstatieren: Bernd Alois Zimmermann (1918–1970) beispielsweise beendete sein Leben selbst. Und auch die im September 1831 im englischen Southampton geborene – später schwer an Depressionen erkrankte – Fanny Arthur nahm sich mit 48 Jahren, am 31. Oktober 1879, das Leben.
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