Der italienische Pianist Marco Sanna und sein Duo-Partner entdecken Anfang 2015 online die Anzeige einer Münchener Künstleragentur, Xenia Evangelista Communications. Darin heißt es, dass die Agentur ab sofort neue Künstler aufnehme und dafür eingereichte Bewerbungen sichte. Die beiden schicken ein Anschreiben und eine CD-Aufnahme per Post. Kurz darauf signalisiert Evangelista in einer Mail ihr Interesse, die beiden unter Vertrag zu nehmen. Zwar ist sich das Duo nicht sicher, ob Evangelista sie jemals hat live spielen hören, dennoch fühlen sich Sanna und sein Partner vom Interesse geschmeichelt. Sie stehen, Sanna Mitte 20, sein Partner Mitte 30, am Anfang ihrer Karriere. Die Aussicht, in eine Agentur aufgenommen zu werden, die renommierte Künstler wie den Soloklarinettisten der Berliner Philharmoniker, Wenzel Fuchs, und den italienischen Pianisten Giuseppe Albanese vertritt, euphorisiert sie. Am späten Abend des 21. Mai 2015 schreibt Evangelista, dass ihre Recherche mittlerweile abgeschlossen sei und sie sich ein umfassendes Bild von dem Duo gemacht habe. An ihre E-Mail hängt sie einen Vertragsentwurf an, den das Duo Anfang Juli unterschreibt, »unter viel Druck« von Evangelista, wie Sanna es später beschreibt.
Sanna und sein Partner, der nicht namentlich genannt werden möchte, vereinbaren mit Evangelista eine monatliche Grundgebühr von 300 Euro und eine Provision von 10 Prozent auf die Honorare aller von Evangelista vermittelten Konzerte. Die Mindestlaufzeit der Vereinbarung beträgt ein Jahr. Im Gegenzug legt der Vertrag fest, dass vonseiten der Agentur »eine bestimmte Anzahl von Auftritten pro Jahr, ein bestimmtes Arbeitsvolumen oder ein bestimmter Umsatz nicht geschuldet wird«. Außerdem unterzeichnen Sanna und sein Partner eine Verschwiegenheitsvereinbarung, die nach Beendigung des Vertragsverhältnisses Gültigkeit behält.

