Was hat Elton John mit dem deutschen Kunstlied zu tun? Die Frage stellte sich Volker Hagedorn nicht, als er im Auto eine alte CD einwarf. Jetzt findet er, dass zwischen der Rezeption von Pop und Klassik eine groteske Lücke klafft – und entdeckt die Magie eines Subdominantseptnonenakkords.

Als im fernen Sommer 1993 Elton John eines der nassesten Open-Airs aller Zeiten überstand, im Sportpark Garbsen, als die »blue skies« verhangen waren, auf die sich die »eyes« reimen, blieb eines der schönsten Liebeslieder aller Zeiten ungesungen: Blue eyes. Als ich es neulich wiederentdeckte, im Auto alte CDs einwerfend, war ich überrascht: In der herzaufreißenden Weite dieser dreieinhalb Minuten sah ich auch die Liedergipfel des 19. Jahrhunderts schimmern, die besten Sachen von Robert Schumann, so etwas wie Kennst du das Land etwa oder Ich grolle nicht, ebenso Die blauen Augen von meinem Schatz in den Tönen des tragisch verknallten jungen Gustav Mahler.


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…lebt als Buchautor, Journalist und Musiker in Norddeutschland. Er studierte Viola in Hannover, war Feuilletonredakteur in Hannover und Leipzig und ist seit 1996 selbstständig als Autor u.a. für ZEIT und Deutschlandfunk. Im Rowohlt Verlag erschienen von ihm »Bachs Welt« (2016), »Der Klang von Paris« (2019) und »Flammen. Eine europäische Musikerzählung 1900–1918« (2022). Ein viertes Buch ist in Arbeit.