Wer ein Bild sucht für die aktuelle Lage der Bodensee Philharmonie, der muss von der Spielstätte des Orchesters im historischen Konzil nur einige Meter zur Imperia-Statue im Hafen laufen. Dort wird täglich der Pegelstand des Bodensees gemessen. Aktuell liegt er bei 250 Zentimetern; fast einen Meter unter dem langjährigen Mittel. Dem Bodensee fehlen rund 568 Milliarden Liter Wasser. Wo man früher vom Steg ins Nass springen konnte, muss man nun durch den Schlick bis zur Wasserkante laufen – und dann noch einmal lange durchs flache Wasser waten, bis man beim Schwimmen nicht mehr auf Sandbänken strandet. Uferpartien liegen trocken, Häfen können nicht mehr angefahren werden, die Wassertemperatur liegt vier Grad höher als vor einem Jahr: schon jetzt zeigt sich, dass der größte Süßwasserspeicher Deutschlands von der Erderhitzung besonders stark betroffen ist.
Im Falle des Orchesters, dem der See seinen Namen gab, ist es wiederum der menschengemachte Klimawandel in der Kulturpolitik, der ihm das Wasser abzugraben droht. Seit mehreren Jahren werden die städtischen Zuwendungen für die Bodensee Philharmonie immer mal wieder infrage gestellt. Nun liegt eine Beschlussvorlage vor, nach der der Klangkörper in den nächsten Jahren sukzessive weniger Geld bekommt – im Jahr 2030 rund 1,1 Millionen Euro weniger als ursprünglich geplant. Ausgeglichen werden soll dies durch Einsparungen und Mehreinnahmen. Gleichzeitig steht das Orchester ohne jene da, die den Karren aus dem Schlick ziehen könnten: Chefdirigent Gabriel Venzago lässt seinen Vertrag zum Ende der Saison auslaufen; Intendant Hans-Georg Hofmann hatte bereits zum Ende der letzten Spielzeit überraschend gekündigt. Als Feuerwehrmann, um das die Bodensee Philharmonie vor dem Abstieg zu retten, wurde im Juni Beat Fehlmann gerufen. Der Schweizer war bereits von 2013 bis 2018 Intendant in Konstanz – und in guter Erinnerung geblieben. »Ich hatte den Eindruck, dass das Orchester jetzt einen Fürsprecher braucht, der die Akteurinnen und Akteure vor Ort kennt und sofort mit der Arbeit beginnen kann, ohne erst eingearbeitet werden zu müssen«, erzählt mir Fehlmann am Telefon. »Deshalb habe ich gesagt: Okay, ich versuche zu helfen.« Ich erreiche ihn im Zug auf dem Weg von der Schweiz nach Liechtenstein, wo er seit 2025 künstlerischer Leiter der Musikakademie ist.

VAN: Haben Sie Ihre Rückkehr nach Konstanz schon bereut?
Beat Fehlmann: [lacht] Ich wusste ja, was kommen kann, auch wenn natürlich nicht alles vorauszusehen war.

