148 Kommentare innerhalb einer Woche: Viele Facebooknutzer:innen, denen zeitgenössische Musik an sich ein Dorn im Auge zu sein scheint, nahmen den VAN-Post einer Stellungnahme der Mitglieder der Essener Philharmoniker zur abgesagten Uraufführung des neuen Violinkonzerts von Clara Iannotta zum Anlass, ihre Aversionen kundzutun. Dass Möglichkeiten zu einer solchen Positionierung gerade auf dieser Plattform offensichtlich gerne genutzt werden, verwundert nicht. (Natürlich meldeten sich auch Verteidiger:innen der Neuen Musik zu Wort.) Überraschenderweise stieg mit Breitkopf & Härtel aber auch ein großer Musikverlag, der Werke von Komponist:innen wie Helmut Lachenmann, Isabel Mundry und Adriana Hölszky im Programm hat, mit Kommentaren über den offiziellen Verlagsaccount in die »Debatte« ein:
»Leider ist es absoluter Standard, das [sic!] zeitgenössische (Auftrags-)Werke erst dann begonnen werden, wenn der Kompositionsauftrag unterschrieben ist. Damit ist meist von Vornherein klar, dass Abgabetermine nicht eingehalten werden und oft kommt am Ende solch ein ›musikalischer‹ Blödsinn bei raus, der über die Uraufführung und vielleicht eine Folgeaufführung nicht hinauskommt, weil sowas eben kein Mensch hören will (und ertragen kann).« Fehlt also selbst in einem der größten deutschen Musikverlage der Rückhalt für zeitgenössische Musik?

