Die meisten Dinge werden komplizierter (also interessanter), je näher man sie betrachtet. Zum Beispiel eine Welle auf dem Wasser: Aus der Entfernung sieht es so aus, als würden die Wellenberge über die Oberfläche »laufen«. Aber dann beobachtet man ein Blatt, das auf der Oberfläche schwimmt und sich nur auf und ab bewegt (und ein bisschen vor und zurück), aber nicht mit der Welle ans andere Ufer reist. Die Welle überträgt also offensichtlich Erregung, Energie, aber nicht das Wasser selbst – keine Materie. 

Dass bei genauerem Hinsehen vieles an Komplexität gewinnt, gilt für die großen Angelegenheiten der Welt ebenso wie für die kleinen. Wobei klein und groß naturgemäß relative Begriffe sind, weil von der Perspektive des Betrachters abhängig. Die abgesagte Uraufführung eines zeitgenössischen Musikstücks etwa ist nur für eine verschwindend kleine Zahl an Erdenbürgern ein relevantes Ereignis. Aber für die Beteiligten selbst steht einiges auf dem Spiel – Reputation, Selbstwert, Aufträge. Daraus kann der Impuls folgen, die Dinge – unter Weglassung wichtiger Details – etwas einseitiger darzustellen, als sie eigentlich sind. Womit wir wieder bei der Welle wären.


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