Als kleiner Junge, so erzählte der immer bescheiden und entspannt auftretende Komponist Friedrich Cerha mal, habe er den Österreichischen Bürgerkrieg im Jahr 1934 hautnah miterlebt. Sein Vater führte ihn später an die entsprechenden Kriegsschauplätze. Das waren Mahnungen, die Cerha nicht vergessen sollte. Damals hatte er längst Geigenunterricht und schon bald komponierte der keine zehn Jahre alte Friedrich erste eigene Stücke. Mit 13 Jahren kamen Unterweisungen in Harmonielehre und Kontrapunkt dazu. Doch dann wurde der gerade knapp Volljährige zur Wehrmacht eingezogen – und desertierte, gleich zwei Mal. Cerha wurde, so berichtete er, mit dem Satz indoktriniert: »Du bist nichts, die Nation ist alles.« Die tumbe Aufgabe jedweder Individualität – in einen Satz gepackt; ein Befehl, der menschengemachte Barbarei, Unmenschlichkeit, Vernichtung schon fast freiwillig zur Tür herein bittet.
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