Steve Reich ist der Bob Dylan der klassischen Musik. Alle lieben die revolutionären frühen Werke (Come Out, Piano Phase, Four Organs). Sein späteres Schaffen war, gerade auch in seiner Vielseitigkeit, eher Gegenstand von Kontroversen. Aber wie bei Dylan, dessen Album Rough and Rowdy Ways aus dem Jahr 2020 von vielen Seiten gefeiert wurde, ist auch Reichs jüngstes Werk selbst für Skeptiker:innen des Komponisten einen Blick wert. Traveler’s Prayer (2020) für vier Stimmen, zwei Vibraphone, Klavier und Streicher windet sich um drei jüdische Gesänge, die Hörenden tauchen ein in ein Gewässer, das von Sonnenlicht durchflutet ist. Der Reich’sche Groove fehlt.
Traveler’s Prayer feierte am 1. November seine US-Premiere in der Carnegie Hall. Eine Woche zuvor sprach ich mit Reich per Telefon über die Angst vor der Uraufführung, seine Änderungen an biblischen Texten für das Stück und die Ähnlichkeit zwischen Reisen und Sterben.
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