Der achtzehnte Thomaskantor nach J.S. Bach kommt aus der Schweiz. Falls er kommt. In Leipzig streitet man heftig um Mitbestimmung, seit einige Thomaner mit fünf Monaten Verspätung gegen das Auswahlverfahren protestierten. Volker Hagedorn erkundet hörbare und weniger hörbare Motive im Stimmengewirr.   

Der Mann war dritte Wahl. Lieber hätte die Stadt einen echten Promi gehabt; es ging um die musikalische Leitung einer Kirche und ihres Knabenchores, den es seit gut 500 Jahren gab. Der renommierte T., in Leipzig wohlbekannt, sagte ab; er hatte nur um eine bessere Bezahlung seines Jobs in Hamburg gepokert. Den von ihm empfohlenen G. hätte man gern genommen, er war selbst Thomaner gewesen; er kam aber von seiner aktuellen Stelle in Darmstadt nicht weg. Blieb der jüngste Bewerber, ein 38jähriger Thüringer ohne Leipziger Vorgeschichte. Am 29. Mai 1723 meldete eine Zeitung, die sechs Kutschen des »nach Leipzig vocirten Cantori Figurali« seien samt Familie und Hausrat eingetroffen.


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…lebt als Buchautor, Journalist und Musiker in Norddeutschland. Er studierte Viola in Hannover, war Feuilletonredakteur in Hannover und Leipzig und ist seit 1996 selbstständig als Autor u.a. für ZEIT und Deutschlandfunk. Im Rowohlt Verlag erschienen von ihm »Bachs Welt« (2016), »Der Klang von Paris« (2019) und »Flammen. Eine europäische Musikerzählung 1900–1918« (2022). Ein viertes Buch ist in Arbeit.