Am Montag gab die Staatsoper Berlin ihr Programm für die Spielzeit 2019/20 bekannt. Anders als sonst entschied man sich dafür, das neue Programm im Netz zu veröffentlichen, ohne es auf einer Pressekonferenz vorzustellen. Es mag ein Versuch sein, unliebsamen Nachfragen zur Kritik am Verhalten ihres Generalmusikdirektors Daniel Barenboim aus dem Weg zu gehen. Einfangen wird das die Debatte, die sich am VAN-Beitrag vom 6. Februar entzündete, nicht. Wie geht es mit der Staatsoper weiter? Wir versuchen, die Diskussion und nach wie vor unbeantwortete Fragen zusammenzufassen.

Es kommt nicht oft vor, dass eine mediale Öffentlichkeit von Boulevard bis Feuilleton über klassische Musikkultur diskutiert. Die Intensität und Reichweite der Debatte der letzten Wochen lässt sich nicht einfach mit dem Stein des Anstoßes, der Strahlkraft und dem Star-Appeal eines Daniel Barenboim erklären. Da war auch die Fallhöhe einer Kultur, die sich selbst oft als über alle Zweifel erhaben stilisiert. Manch einer labte sich voyeuristisch an deren Verfallserscheinungen und am Sockelsturz des Helden, einige verteidigten ihre Ikonen, andere zogen mit gänzlich anderen Idealen von Musikmachen ins Feld, die sich an Kooperation, Offenheit, Durchlässigkeit orientierten. Die meiste Zeit koexistieren diese Sichtweisen friedlich, man kommt sich nicht so oft in die Quere, belächelt sich aus der Entfernung. Wenn man sich doch mal begegnet, ist man überrascht, mit welcher Vehemenz der andere auf den Plan tritt.


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... ist Gründer und Herausgeber von VAN. ✉️ hartmut@van-verlag.com

... ist seit 2015 Redakteur bei VAN. Sein erstes Buch, The Life and Music of Gérard Grisey: Delirium and Form, erschien 2023. Seine Texte wurden in der New York Times und anderen Medien veröffentlicht.