Ich treffe Vilde Frang im Café Liebling am Helmholtzplatz in Prenzlauer Berg, ihrem Heimatkiez. Sie bevorzugt es auf englisch zu sprechen, »mein Deutsch ist nur zum Überleben«. Das ist wahrscheinlich Koketterie, zumindest wechselt sie während des Gesprächs immer mal wieder für einige Ausdrücke ins Deutsche, die nicht unbedingt zum Überlebenswortschatz gehören, »Vogelperspektive«, »Minderwertigkeitskomplex«, »Begeisterung«…Ein geplantes Treffen zwei Wochen zuvor hatte sie kurzfristig abgesagt. »I caught a bad cold.« schreibt sie auf Whatsapp. Ein paar Tage später diagnostiziert ein Arzt Pfeiffersches Drüsenfieber. Sie erzählt, wie sie bei einem Konzert erst nach der Generalprobe und dann nach dem Konzert ohnmächtig geworden war. »Schon als ich auf die Bühne ging wusste ich, dass das keine gute Idee war.« Frang ist im August 30 geworden und es scheint, als wäre diese Schwelle bei ihr tatsächlich auch ein Übergang. Von außen betrachtet stimmt die bisherige Bilanz: Exklusivvertrag beim Major Label (EMI/Warner seit 2008), zahlreiche Preise, ein voller Konzertkalender, gefragt bei den großen Orchestern und Dirigenten. Ein Überschuss im außen, bei dem etwas auf der Strecke zu bleiben drohte. »In tune« wird ein Wort, das sie während des Gesprächs mehrmals verwendet. Mitschwingen, richtig gestimmt sein, wieder ins Lot kommen. Gute Themen für ein Gespräch zum Jahresende.


Jetzt abonnieren, um weiterzulesen.

Unbegrenzter Zugang zu allen aktuellen Artikeln und dem Archiv

VAN als unabhängiges Magazin wird maßgeblich über Abos getragen. Mit Ihrem Abo ermöglichen Sie unsere Arbeit und sichern die Zukunft von VAN.


Sie haben schon ein Abo?

... ist Herausgeber von VAN. Er studierte Development Studies, Ethnologie und Asienwissenschaften in Berlin, Seoul, Edinburgh und an der London School of Economics und arbeitete im Anschluss zehn Jahre als Berater in Projekten der internationalen Entwicklungszusammenarbeit. 2014 gründete er mit Ingmar Bornholz den VAN Verlag, wo er auch als Geschäftsführer fungiert. hartmut@van-verlag.com