In hübschen, bunten Regenbogenfarben veröffentlichte das Netzwerk Junge Ohren auf Facebook Barbara Volkweins »Zehn Gebote der Musikvermittlung«: Ein Manifest des affirmativen Kuschelkurses in elf Punkten. Denn die Gebote fordern nur eines – Liebe. Zuerst zur Musik, (der klassischen natürlich!), dann zum Orchester, »dann wirst du auch Teil der Gemeinschaft«, den einzelnen Musiker*innen, den Generalmusikdirektoren, den Manager*innen, immer abwärts der Hierarchiekette über das Dispositionsbüro bis zu den Orchesterwarten. Praktische Tipps gibt es gleich oben drauf: »Bring den Orchesterwarten unbedingt Mettbrötchen mit, auch wenn du Vegetarier*in bist!« Nachdem das ganze Konzerthauspersonal geliebt ist, geht es an die Liebe zur Vielfalt der Aufgaben: »Nimm mit, was du kriegen kannst«, heißt es im achten Gebot, »in jahrelanger Berufspraxis erhältst du quasi kostengünstig eine Ausbildung im Eier-legende-Wollmilchsau-Sein – ob Regie, Marketing, Dramaturgie, als Teamleitung, Dispo oder Pressefuzzi. Danach kannst du dich faktisch überall bewerben; Stressresistenz: 120%, versprochen.« Und weiter heißt es, wie es im neunten Gebot geschrieben steht: »Liebe den Mangel!« Denn ein spärliches Ausstattungsbudget kann man mit kreativen Ideen bestens kompensieren. Und schließlich kann man ja – das zehnte Gebot erinnert daran – immer noch auf den Applaus hoffen, der ist schließlich »das Brot des*der Musikvermittlers*in«. Wer will da schon eine angemessene Gage? Das elfte Gebot ruft, in guter christlicher Tradition, zur Nächstenliebe auf: »Liebe deine nächsten Musikvermittler*innen wie dich selbst und unterstütze vollumfänglich deren Arbeit und den Menschen, der mit Herzblut dahintersteht!«


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