In einer lauen Frühlingsnacht brachte mich letztens ein Stück von Jörg Widmann zum Schaudern. Mitsuko Uchida spielte im Pierre Boulez Saal Schönberg, Schubert und ein Stück des 44-jährigen Komponisten. In seiner Sonatina facile (2016) wurde das ausgiebig zitierte Mozart-Original von dissonanten Basslinien, plötzlichen Clustern in extremen Lagen und pseudo-jazzigen Glissandi unterbrochen. Dadurch gewann das Stück überhaupt nichts, vielmehr wurde hier der hippokratische Eid des Künstlers – »mache nie eine schlechtere Version eines bereits existierenden Werkes« – gebrochen. Dahinter stand ein Zusammenschluss von Auftraggebern, der renommierter kaum hätte sein können: die Elbphilharmonie, die Carnegie Hall und Uchida selbst.


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... ist seit 2015 Redakteur bei VAN. Sein erstes Buch, The Life and Music of Gérard Grisey: Delirium and Form, erschien 2023. Seine Texte wurden in der New York Times und anderen Medien veröffentlicht.