Drei weiße alte Männer mit rabenschwarzen Stimmen singen einander in Grund und Boden, zweieinhalb Stunden lang. Es kommt zu Handgreiflichkeiten. Warum? Kaum drei Minuten sind vergangen in Giuseppe Verdis später Oper Simon Boccanegra, da wird der Preis, um den es hier geht, erstmalig beim Namen genannt.

In sanften Wellen spült das Meer einen Ohrwurm an Land. Er kräuselt sich in feiner Achtelbewegung hoch aus dem Orchestergraben. So geht das los. Vielleicht ist es nicht das Meer, vielleicht sind es die Nornen, die da einen Schicksalsfaden spinnen. Vielleicht ist das Würmlein auch in Wahrheit eine Klapperschlange. Jedenfalls: Diese Melodie nimmt sofort gefangen. Sie kommt in der ganzen Oper nicht wieder vor. Nur am Anfang, da lockt sie zwei finstere Gestalten herbei, Paolo (Bass), trifft sich nachts auf der Gasse mit Pietro (Bariton). Pietro fragt: »…Il premio?« Paolo raunt zurück, pausendurchweht: »Oro, possanza, onore«. Darauf Pietro, etwas lauter, mit fester Stimme, auch der Kontrabass spielt jetzt mit: Okay, dafür verkaufe er gern die Liebe des Volkes. 


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… lernte Geige und Klavier, studierte Musik-, Literatur- und Theaterwissenschaft an der Freien Universität Berlin, promovierte über frühe Beethoven-Rezeption. Von 1994 bis 1997 Musikredakteurin der Zeit, von 1997 bis 2018 bei der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Seither wieder freelance unterwegs. Seit 2011 ist Büning Vorsitzende der Jury des Preises der deutschen Schallplattenkritik.