Auf meinem Schreibtisch, auf dem physischen und dem digitalen, liegen gerade die Spielzeitvorschauen der Opernhäuser, deren Programme ich, mehr oder weniger, verfolge. Am Rande noch Notizen der Rückschau für die Kritikerumfrage der ›Opernwelt‹, und in diesem Zwischenmoment des Blicks zurück/nach vorn weht mich ein Hauch von Müdigkeit an. Landauf landab der bekannte Programmcocktail mit Mozart Verdi Wagner mittendrin, drumherum das Karussell der bekannten Regisseurinnen und Regisseure, dazwischen ein paar vorsichtig gesetzte Raritäten und eine Prise Neues. Es ist nur ein Hauch von ennui, keine Beschwerde: Denn dass wir reisende Betriebsprüfer uns ganz gern zwischen den Sternbildern des Bekannten bewegen, gehört ja auch zur Wahrheit, und dass die Ausflüge in repertoirefernere Galaxien nicht selten in Ernüchterung enden. Dann lieber nochmal Figaro und Falstaff – jedenfalls tolle Stücke, noch in mittelerleuchteten Inszenierungen. Meine Erleuchtung der Saison war zuletzt Gabriel Faurés unglaublicherweise einzige Oper Pénélope, von Andrea Breth und Susanna Mälkki im Münchener Prinzregententheater in ein subtiles Slow-Motion-Denkbild verwandelt, feinste Musik, sensationelles Ensemble, das Andere von Routinen. Ansonsten läuft die Selbstbefragung, was blieb vom vielen Herumfahren und -suchen nach den großen Momenten, schnell auf Grund. Es war Asmik Grigorians bewegendes Norma-Debüt am Musiktheater an der Wien, klug inszeniert von Vasily Barkhatov. Und sonst? Viel professionell Gekonntes, kaum Katastrophen, aber, für die vielen Kilometer, zu wenig Kunst.
Jetzt abonnieren, um weiterzulesen.
Unbegrenzter Zugang zu allen aktuellen Artikeln und dem Archiv
VAN als unabhängiges Magazin wird maßgeblich über Abos getragen. Mit Ihrem Abo ermöglichen Sie unsere Arbeit und sichern die Zukunft von VAN.
