Der ungarische Komponist und Dirigent Péter Eötvös hat in Deutschland, Frankreich und Holland gelebt und dort unter anderem für Karlheinz Stockhausen und Pierre Boulez gearbeitet. 2004 ist er nach Budapest zurückgekehrt – um dort ins Theater gehen zu können. Im Ausland, erzählt er, »versteht man die Wörter, aber oft nicht, was dahintersteckt. Das können meine Frau und ich nur in Ungarn.« Als Jugendlicher machte Eötvös Bühnenmusik, das Sprachtheater war seine erste Leidenschaft. Unter Eötvös’ Kompositionen sind seine Opern am bekanntesten. Seine Musik ist geheimnisvoll und granular, parfümiert und rigoros zugleich. Vor seiner Oper nach Tony Kushners Angels in America hatte ich aber fast ein bisschen Angst. Dieser Text ist für mich – und viele andere schwule Amerikaner – wie eine heilige Schrift. Wird die Oper dem Theaterstück gerecht? Streckenweise ja. Eötvös’ Musik ist raffiniert geräuschhaft, mikrotonal und irgendwie bescheiden, denn der Text ist immer gut verständlich. Doch es fehlen teilweise wichtige Stellen und insgesamt die Hitze von Wut und Sex, Moral und Widerstand, die das Theaterstück durchdringen.Ich traf Eötvös auf einen Kaffee in seiner modernen Berliner Wohnung mit Blick auf die Philharmonie.


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... ist seit 2015 Redakteur bei VAN. Sein erstes Buch, The Life and Music of Gérard Grisey: Delirium and Form, erschien 2023. Seine Texte wurden in der New York Times und anderen Medien veröffentlicht.