Der finnische Dirigent Osmo Vänskä verabschiedet sich diesen Monat mit Mahlers Achter und einer »farewell celebration« vom Minnesota Orchestra. Seine Arbeit mit dem Orchester und allen voran die gemeinsamen Einspielungen wurden vielfach gelobt und ausgezeichnet. Selbst eine intensive Onlinerecherche hat nur eine einzige negative Kritik (von David Hurwitz für ClassicsToday) zutage fördern können. Vänskäs Sibelius-Interpretationen sind besonders berühmt, und die des Minnesota Orchestra klingen atemberaubend klar, präzise und funkelnd.
Bevor es ihn nach Minnesota verschlug, leitete Vänskä von 1988 bis 2008 das Lahti Symphony Orchestra in Finnland. Jetzt ist er ungebunden, seinen Vertrag mit dem Seoul Philharmonic Orchestra hat er nicht verlängert. Auf Zoom sprechen wir mit Vänskä in einer Mischung aus Finnisch und Englisch über die Höhen und Tiefen der Beziehung zwischen Dirigent und Orchester, die 2013er Zwangspause beim Minnesota Orchestra und das Publikum, das ihm am wichtigsten ist.
VAN: Der Dirigent Daniel Harding hat neulich im VAN-Interview Herbert von Karajan zitiert mit den Worten: ›Chefdirigent zu sein bedeutet, einem Orchester 40 Jahre lang jeden Tag dieselben drei oder vier Sachen zu sagen.‹ Sehen Sie das nach 19 Jahren mit dem Minnesota Orchestra ähnlich?
Osmo Vänskä: Ja. Ich erlebe es häufig so: Gastdirigent:innen sind immer irgendwie interessant, man ist ihnen wohlgesonnen. Sobald sie aber Chefdirigent:innen werden, lässt der Enthusiasmus deutlich nach, und es folgt dieses Gefühl von Bla-Bla. Das Orchester stellt infrage, warum die Person überhaupt für den Chefposten ausgewählt wurde. Nach langer Zusammenarbeit fangen sie, wenn der Vertrag ausläuft, plötzlich wieder an, die Person vorne am Pult wirklich wertzuschätzen.

