Schätzungsweise an jeder dritten deutschen Klinik sind Musiktherapeut:innen beschäftigt, vor allem in psychiatrischen und psychosomatischen Abteilungen. Hinzu kommt ein völlig unübersichtliches Feld im ambulanten Bereich, denn: Die Berufsbezeichnung »Musiktherapeutin« beziehungsweise »Musiktherapeut« ist nicht geschützt. Wer hier was anbietet und mit welcher Expertise, bleibt, zumindest wenn die entsprechenden Therapeut:innen nicht verbandlich organisiert sind, weitestgehend eine Blackbox. Und das, obwohl Musiktherapeut:innen oft mit besonders vulnerablen Personengruppen arbeiten. 

Für eine stärkere Regulierung der Ausbildung und Berufsausübung von Musiktherapeut:innen setzt sich darum Beatrix Evers-Grewe ein. Sie leitete als Musiktherapeutin die Therapeutischen Dienste des LVR Klinikums in Essen und ist, auch nach Eintritt in den Ruhestand, als Vorsitzende in der Bundesarbeitsgemeinschaft Künstlerische Therapien, als Beisitzerin im Vorstand der Deutschen Musiktherapeutischen Gesellschaft und im Vorstand der Wissenschaftlichen Fachgesellschaft für Künstlerische Therapien aktiv. Sie erklärt, warum die bessere Regulierung von Beruf und Ausbildung an bürokratischen Hürden scheitert, was das Aus der Ampel für die Zukunft der Musiktherapie bedeutet und welche Schritte nötig wären hin zu einem besseren Angebot und mehr Sicherheit für Patient:innen.

VAN: In welchen Bereichen wird in Deutschland aktuell musiktherapeutisch gearbeitet?

Beatrix Evers-Grewe: Musiktherapie kann in einem sehr weiten Feld eingesetzt werden, zum Beispiel immer dann, wenn man mit Worten nicht mehr so gut weiterkommt, etwa wenn Leute wegen eines Unfalls oder Schlaganfalls dramatische Hirnschäden erlitten haben und nicht sprechen können. Dasselbe gibt es in ganz anderen Kontexten – wenn Menschen kognitiv beeinträchtigt sind und sich dadurch nicht so geschickt ausdrücken oder wenn Menschen bestimmte Erlebnisse, die mit emotionalen Gehalten verknüpft sind, nicht so gut oder nicht so gerne verbalisieren. Es gibt auch viele Kolleginnen und Kollegen, die mit Kindern arbeiten, die zum Beispiel durch sexuelle Gewalt traumatisiert sind. Musiktherapie ist natürlich auch eine gute Möglichkeit, wenn Menschen nicht deutsch-muttersprachlich sind – Menschen, die geflüchtet sind und während der Flucht und vielleicht ja auch schon vorher Traumata erlitten haben. Überall da hilft es, mit Musik und mit fachlicher Kompetenz an die Sache heranzugehen und erst mal diese Sprachbarriere zu überbrücken.


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... machte in Köln eine Ausbildung zur Tontechnikerin und arbeitete unter anderem für WDR3 und die Sendung mit der Maus. Nach einem Schulmusik- und Geschichtsstudium in Berlin und Bukarest gibt sie Seminare in Musikwissenschaft und Musikjournalismus und ist Redakteurin bei VAN. merle@van-verlag.com