In einer von mir dirigierten Vorstellung innerhalb einer Wiederaufnahme an einem größeren deutschen Haus brach dem exzellenten Tenor im ersten Teil mehrfach die Stimme weg. Als ich ihn in der Pause aufsuchte und fragte, ob er stimmlich oder gesundheitlich Probleme hätte, verneinte er das und sagte, er sei topfit und könne sich das nicht erklären. Man wollte eine Ansage machen, er hielt das für unnötig. Mir war schnell klar, dass es sich um eine körperliche Reaktion auf die im ersten Teil extrem stumpfe Akustik handelte. Das Theater selbst hatte schon eine sehr geringe Nachhallzeit und bei dieser Produktion war die gesamte Bühne im ersten Akt mit einem dicken schwarzen Vorhang ausgehängt. Weil dieser nach der Pause verschwinden würde und von da an glatte, reflektierende Oberflächen dominieren sollten, beruhigte ich den Sänger und sagte, er möge einfach entspannt weiter singen, es würde funktionieren. Und das tat es auch. Im zweiten Teil brach die Stimme kein einziges Mal. Ich hatte allerdings den Eindruck, dass über die akustischen Auswirkungen von Bühnenbildern an diesem Haus offenbar nicht hinreichend nachgedacht wurde.


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Als »einer der wenigen Dirigenten weltweit, der neueste Musik genauso versiert aufführt wie Beethoven, Wagner und Sibelius« (Frankfurter Allgemeine Zeitung) ist Roland Kluttig mit einem breiten Repertoire auf internationalen Podien in Konzert und Oper zu erleben. Der 1968 in Radeberg geborene Kluttig studierte zunächst Klavier und Dirigieren in Dresden. Von 2010 bis 2020 wirkte er als Generalmusikdirektor am Landestheater Coburg, anschließend als Chefdirigent der Oper Graz und der Grazer Philharmoniker....