»Music education is now only for the white and the wealthy« war der Titel eines Beitrags im britischen Guardian von Mitte März. Charlotte Gill beklagt darin allgemein, dass die Wichtigkeit und der Wert musikalischer Erziehung an britischen Schulen schändlich verkannt und die Musik vernachlässigt werde. Schuld daran sei unter anderem der Leistungsindikator an englischen Schulen, der English Baccalaureate, mit dem eine konservative Politik die Zahl an Musik- und Fremdsprachstudierenden erhöhen wolle. Noch ein anderes Problem macht Charlotte Gill aus: Musik werde zu akademisch, zu verschult gelehrt, vor allem der zu starke Fokus auf Notation als Code schließe viele Kinder und Jugendliche aus. Sie fordert mehr Diversität. Die Reaktionen auf Gills Artikel waren gewaltig. Über tausend Kommentare am Artikel und so viele Gegenreaktionen, dass andere davon Übersichten erstellten. Einer der polarisierendsten Vorwürfe: Hier wird ein musikalischer Analphabetismus romantisiert. Wir wollen wissen, wie es um diese Thematik in Deutschland bestellt ist. Schließt die Vermittlung von Musik manche aus? Ist sie elitär? Hier antwortet Merle Krafeld, Studierende an der UdK Berlin auf die Beiträge von Thomas Erlach in VAN-Ausgabe #105 und Norbert Schläbitz in VAN-Ausgabe #104. Als letzter Beitrag der Reihe erschien in Ausgabe #107 ein Kommentar von Christoph Hein, Musiklehrer.
Als angehende Musik- und Geschichtslehrerin habe ich bisher wenig unterrichtet, bin also, was den Musikunterrichtsalltag an Schulen angeht, (noch) keine Fachfrau. Womit ich mich allerdings auskenne, ist das Musikpädagogik-Studium (ich stecke mittendrin) und auch die Musikwissenschaft, auf die ich als relativer Neuling in der Disziplin einen anderen Blick habe als Norbert Schläbitz und Thomas Erlach. Studium und Wissenschaft haben in den Artikeln der beiden eine erhebliche Rolle gespielt, deswegen erlaube ich mir einen kleinen Exkurs in diese Bereiche rund um den eigentlichen Musikunterricht (um den es in den kommenden Wochen wieder verstärkt gehen wird, versprochen!)

