Alexej Nawalny wurde, so berichtete der Putinkritiker noch Ende Januar via X, im sibirischen Straflager täglich mit dem Song Я РУССКИЙ (»Ich bin Russe«) von Putins Lieblingssänger Shaman beschallt. Aber auch klassische Musik weiß der Diktator zu instrumentalisieren. Wie genau das funktioniert, zeigen wir am Beispiel einer Inszenierung von Schostakowitschs Leningrader Sinfonie am 9. August 2022.
Als der mit Putin eng befreundete Dirigent Valery Gergiev vor wenigen Jahren in einem Interview die russische Musik als »mächtige Waffe« pries, ging das als verschrobene Metapher durch. Mittlerweile weiß man es besser. In den Monaten nach der völkerrechtswidrigen Annexion der Krim im Frühjahr 2014 erließ Putin mehrere Dekrete, worin das Regime seine kulturpolitische Strategie für die nächsten zehn bis fünfzehn Jahre verkündete. Kultur, so heißt es dort, sei ein wichtiges Instrument, um nach innen »Gefühle von Patriotismus und Nationalstolz« zu fördern und nach außen »die Autorität des Landes auf der internationalen Bühne« zu stärken. Musik spielt dabei, wie in den meisten Diktaturen, eine besondere Rolle. Von allen Künsten eignet sie sich am besten, um Gefühle hervorzurufen, die sich instrumentalisieren lassen. So soll sie unter Putin gezielt zur »Förderung des positiven Images Russlands auf internationaler Ebene« eingesetzt werden, weshalb die »Integration Russlands in den Weltmusikmarkt« voranzutreiben sei.

