Prolog, 1995
Mit siebzehn erwarb ich eine Klassik-CD für 29,90 DM bei JPC im Bielefelder Jahnplatztunnel. Vom Cover blickte ein Cellist mit dem undurchdringlichen Hauch eines Lächelns: in schwarzer Kluft undefinierbaren Materials, mit grauen Schläfen und nach hinten gegelter glänzender Lockenmatte, die aussah wie Bandsalat. Ein Anblick zwischen byzantinischer Christus-Ikone und Frank Zappa. Der Cellist hieß Mischa Maisky und das Album »Adagio«.
Cello – das war bis dahin meine Lehrerin an der örtlichen Musikschule, die bei jedem falschen Ton den Klavierdeckel knallen ließ und immer kurz vor der Handgreiflichkeit stand. Die immer betonte, dass sie eigentlich zu Höherem berufen wäre, »wenn die Berliner Philharmoniker zu meiner Zeit schon Frauen aufgenommen hätten«. Stunden des übelgelaunten Übens, in denen ich eigentlich lieber weiter Fußball gespielt hätte.

